#1 Viersäftelehre von Heliane 28.11.2020 19:20

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Viersäftelehre

„Es gehen vier Menschen gemütlich spazieren,
sind freundlich und umgänglich beim Diskutieren,
erörtern die Welt, unsern Gott und die Sterne
und sehen erstaunt einen Fels in der Ferne.

Sie nähern sich vorsichtig, möchten gern weiter.
Der erste springt drüber, bleibt fröhlich und heiter,
der zweite umgeht ihn im größeren Bogen,
der dritte verzweifelt und fühlt sich betrogen.

Der vierte gerät in verbiestertes Wüten,
liest zeternd und rasend dem Stein die Leviten,
versucht, ihn mit Kraft aus dem Wege zu stoßen,
den schweren und störenden Felsen, den großen.“

Galenos aus Pergamon sah das Geschehen,
wollt gerne die Handlungen besser verstehen.
Er suchte und fand schließlich wichtige Säfte,
die täglich bescheren uns Schwächen und Kräfte.

Entdeckte im Blute das heitere Wesen,
ein aktives Sein ohne Erbsen zu lesen;
im Schleim große Faulheit und schwerfällig Sinnen
und fehlenden Antrieb, den Tag zu beginnen.

Im schwärzlichen Gallensaft fand er die Trauer,
ein Dasein, umgeben von trutziger Mauer;
im gelben hingegen ein Schreien und Wüten,
die Blindheit, das Wichtige gut zu behüten.

So teilte Galenos in vier Charaktere
und schuf die bedeutsame Flüssigkeitslehre.
Es sagen die Jahre und Forschung inzwischen,
dass unsere Säfte sich meistens vermischen.

© 24.02.2016

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